1.  Selbstverständnis

Gegenfeuer Produktionen wurde 2001 von Mikko Linnemann in Mainz gegründet und versteht sich als unabhängiges und kritisches Netzwerk, das Filme verschiedenster Gattungen und Genres realisiert. Spielfilme stehen dabei gleichberechtigt neben Essay- oder Dokumentarfilmen. Gemeinsames Ziel aller umgesetzten Projekte ist die Kritik und/oder Reflexion bestehender gesellschaftlicher Verhältnisse, ihrer Kulturindustrie und ihren psychosozialen Auswirkungen - mit dem ausdrücklichen Wissen, dass auch unsere Werke gleichwohl innerhalb des Systems entstehen.
Diesem Selbstverständnis liegen u.a. folgende Analysen zugrunde.


2.  Film als emanzipatorisches Instrument

Kein anderes Medium vermag so unmittelbar und direkt auf den Zuschauer einzuwirken, wie der Film. Konstruierte Ereignisse werden physisch und psychisch erfahrbar.
Jedoch weist auch kein anderes Medium wie der Film

"ein so starkes Missverhältnis zwischen den Möglichkeiten (...) und ihrer Realisierung auf. Der Film ist mehr als jede andere menschliche Ausdrucksform imstande, [den Zuschauer] in seinen Bann zu ziehen. Doch wie keine andere ist er auch in der Lage, ihn zu verdummen. Leider scheint die große Mehrzahl der neusten Filmproduktionen keine andere Aufgabe zu kennen: Die Leinwand trägt nur die moralische und geistige Leere, in der diese Filme gedeihen, zur Schau." (Luis Bunuel)

Diese - vereinfachende und undialektische - Analyse verliert jedoch auch heute nichts von ihrem künstlerischen Impuls. Der zeitgenössische Film erscheint als leicht zu konsumierendes Massenprodukt und als Funktionsträger zur Enthistorisierung und Entpolitisierung zeitgeschichtlicher Ereignisse. Auch das Kino ist ein Ort der Profitmaximierung, dessen Zuschauer in Passivität und Gleichgültigkeit erstarren. Immer wieder werden die gleichen ausgedörrten Geschichten erzählt durch eine stereotype Inszenierungsstrategie, dessen dramaturgische und ästhetische Konvention zur Richtschnur für zukünftige Filmproduktionen dient.


Dennoch gelingt es einer Minderheit an FilmemacherInnen immer wieder Grenzen zu sprengen, Strukturen aufzubrechen und mit neuen, frischen Themen und Erzählweisen zu überraschen und sich dadurch der "Monoform" (Peter Watkins) der kapitalistischen Filmproduktion zu verweigen.


"Film als subversive Kunst" (Amos Vogel) verstehen, ist das Fundament von Gegenfeuer Produktionen, auf dem alles andere aufbaut. Davon ausgehend kann Film radikal mit etablierten Themen, Formen und Ästhetiken brechen und soziale Ungleichheiten demaskieren, kritisieren und anklagen, ohne sich in dogmatischen Handlungsvorschriften zu verlieren.
Film als Medium ist per se polysem und soll es auch bleiben!


3.  Die konkrete Arbeit

Der Wunsch nach dem Aufbrechen verkrusteter und reaktionärer Strukturen darf sich nicht mit der inhaltlichen und formalen Ebene des Films begnügen, sondern sollte sich gleichberechtigt in der konkreten, künstlerischen Arbeit bemerkbar machen. Hierbei sollen folgende Grundsätze besonders wichtig sein: